Links: Ordnungsamt kämpft für Nazidemo (10.02.) | 03.02. Mobiaktionen in Dresden | Das war Dresden 2007, 2006, 2005 1 2, 2004 1 2
coloradio (freies Radio Dresden): Irmtraud Gutschke (ND) im Gespräch mit Hermann Kant (12.02.) | Ordnungsamt verbietet Antifademo in der Innenstadt. (08.02.) | Dresden 13. Februar 08 Interview mit Bürger Courage (08.02.) | Dresden 13. Februar 08 Interview mit Antifa AktivistInnen (07.02.)
13. Februar: kleines Resümée | Naziaufmarsch und Gedenken Mathildenstraße | Naziaufmarsch | Heidefriedhof
aktuelle Infos zu den Veranstaltungen (Stand 15.02. 08:10 Uhr)
Für Antifaschisten vor Ort wird der Handy-Ticker geschaltet sein.
Mehr Informationen auch unter: venceremos | Nazis-Blockieren
Die Erinnerung an Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg wird in wohl keiner anderen Stadt Deutschlands bis heute so sehr lebendig gehalten, wie in Dresden. Vom 13. bis 15. Februar 1945 bombardierten Flugzeugstaffeln der britischen „Royal Air Force“ und der „United States Army Air Forces“ in vier Wellen die sächsische Landeshauptstadt, wobei etwa 35000 Menschen starben.Obwohl die Ausmaße der Zerstörungen und auch der Verlust an Menschenleben in anderen deutschen Städte teils höher waren, wird seitens der Nazis ein Bombenholocaust in Dresden herbei halluziniert. Die entsprechende Rede im sächsischen Landtag sorgte für bundesweite Empörung.
Einige Antifaschisten kritisieren jedoch, dass es von der Ausrichtung des bürgerlichen Gedenkens hin zur Verunglimpfung der Shoa kein allzu weiter Weg ist.
Jahrzehntelang fand eine Auseinandersetzung über die Ursachen des Angriffs kaum statt. In der DDR wurden die Verantwortlichen als alliierte Luftgangster diffamiert, ein Ausdruck den schon Goebbels benutzte. In Zeiten der Blockkonfrontation war diese Lesart der Ereignisse auch sehr bequem. Wie auch die Dimmitroff-These, die offizielle Staatsdoktrin zur Erklärung des deutschen Faschismus, mehr als nur geeignet war eigene Schuld auf die 'Kapitalistenklasse' abzuwälzen.
Spätestens nach der Wiedervereinigung war diese Sichtweise nicht mehr en vogue. Und so verstieg sich man sich darauf, die universelle Kategorie Leid besonders zu betonen. Nach dem Motto, ja es war damals alles schlimm. sollte nun die Hand zu endgültigen Versöhnung gereicht werden. Einige lokale Antifaschisten warnen vor einer Entkontextualisierung. Sie vermissen eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Stadtgeschichte.
Dresden war keineswegs das unschuldige Opfer widriger Umstände. Neben der militärischen Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und Verwaltungszentrum besaß die Stadt auch einen überproportionalen Anteil an NSDAP-Parteimitglieder.
Auch die erste Bücherverbrennung im nationalsozialistischen Deutschland fand in Dresden statt. Dresden war also eine ganz 'normale' deutsche Stadt in dieser Zeit. Das KZ Pirna-Sonnenstein, mit etwa 15.000 Toten, lag gleich vor den Stadttoren.
Beim offiziellen Gedenken soll diesen Umständen durch die Architektur der Gedenkstätte Rechnung getragen werden. Ein Stelenkreis mit den Inschriften der Stätten nationalsozialistischen Terrors umgibt ein Rondell. Doch eine der Stelen ist der Ort eines anderen Leides - Dresden.
Dadurch, so die Kritik einiger Antifas, werden die Opfer der nationalisozialistischen Terrorherrschaft in einem Atemzug mit der Stadt Dresden genannt. Diese Nivellierung der Ereignisse führe aber jegliche Kausalität ad absurdum. Schließlich solle man nicht vergessen, dass der letzte "Judentransport" durch die Bombardierung verhindert wurde und nicht etwa durch den Widerstand der heimischen Bevölkerung. Gerne vergessen Anwohner auch, wenn sie über ein angebliches unnötiges Kriegsverbrechen fabulieren, dass vom 13. Februar 1945 bis zum 08. Mai 1945 noch Hundertausende in dem Krieg sterben mussten, den die Deutschen Jahre zuvor entfachten. Mithin sei die Bombardierung Dresdens einer der Schritte, die unternommen worden wären, um das nationalsozialistische Deutschland zur endgültigen Kapitulation zu zwingen. Die Tatsache, dass es nach dem Krieg zu keinen relevanten Guerilliaaktivitäten kam, zeige, dass das "Moralbombing" letztlich doch von Erfolg gekrönt war.
Genau auf diesen Umstand möchten einige Antifaschisten hinweisen, wenn sie unter dem Motto "Selber Schuld" auch gegen das bürgerliche Gedenken protestieren.
Die jährlichen Nazigroßäufmärsche und Provokationen der NPD im sächsischen Landtag sind jedoch am bürgerlichen Gedenken nicht spurlos vorrüber gegangen und haben im bürgerlichen Lager zu Diskussionen geführt. Die Zeiten, als jemand wie der Holocaust-Leugner David Irving mit standing ovations von der Dresdener Bevölkerung empfangen wurde, und in der DNN (Dresdener Neueste Nachrichten) aus 800 Neonazis aus ganz Deutschland 800 trauernde Bürger wurden, sind auch in Dresden vorbei. Es wird sich offiziell von der Instrumentalisierung des Gedenkens durch die Neonazis distanziert, und das Ereignis in die Geschichte eingeordnet, welches es ohne die Nationalsozialisten nicht gegeben hätte. Gleichzeitig wurde eine Historikerkommission einberufen, um die übertriebenen Opferzahlen und die teilweise absurden Gerüchte und Legenden, welche um das Thema 13.02. kursieren, auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. In letzter Zeit gibt es vermehrt Bemühungen unter anderem von offiziellen Vertretern der Stadt Dresden und des Landes Sachsen, Gedenktage wie zur Reichspogromnacht am 9. November und dem Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz am 27. Januar verstärkt ins öffentliche Bewußtsein in Dresden zu rücken. Die Resonanz bei den Dresdener Bürgern hält sich bisher jedoch in Grenzen.
Zwei Neonaziaufmärsche
Im letzten Jahr kam es zu großen Diskussionen innerhalb der Naziszene, bei der es um das wahrhaftige Gedenken ging, und dass so etwas nur am 13.02, möglich ist, auch wenn der Termin in der Woche liegt. Einige wünschten sich auch wieder den abendlichen Fackelmarsch und die guten alten Zeiten zurück, in denen sich auch noch Bürger dem Neonaziaufmarsch anschlossen. Eine wichtige Rolle wird auch die Tatsache gespielt haben, dass lokale Szenegrößen wie Ronny Thomas auch mal gerne der Bestimmer sein und die Deutungshoheit der FKS (Freie Kräfte Sachsen) über das Ereignis in der Neonaziszene durchsetzen wollten. (ausführliche Einschätzung des ART Dresden) Ein Argument von Ronny Thomas und Co war übrigens, dass in der Woche nicht so viele Antifaschisten anreisen könnten, und deshalb der Aufmarsch ungestörter stattfinden würde. Im Endeffekt trat das Gegenteil ein, im letzten Jahr waren so viele Gegendemonstranten, vor allem Jugendliche aus der Region, wie noch nie auf der Straße.
In diesem Jahr haben sich die Neonazis auf zwei Naziaufmärsche geeinigt, einen traditionellen Fackelmarsch am Abend des 13.02. und einen Großaufmarsch am Sonnabend den 16.02.. Der Aufmarsch am Abend des 13.02. wird von Neonazis aus der Region getragen, zu der einige hundert Neonazis erwartet werden.
Mit besonderer Spannung wird jedoch der 16. Februar erwartet. Bundesweit mobilisieren Neonazis zu ihrem Aufmarsch. In den vergangen Jahren konnte der Neonaziaufmarsch bereits erfolgreich gestört werden. Im letzten Jahr mussten die Neonazis eine erhebliche Routenkürzung aufgrund von Sitzblockaden und Ausschreitungen hinnehmen.Dresdener Antifaschisten hoffen auch in diesem Jahr auf zahlreiche Proteste. So beginnt die bundesweite Antifademo um 10:00 Uhr in der Innenstadt.
Gegen den Naziaufmarsch mobilisieren teilweise auch Bürger. Eine u.a. vom DGB organisierte Demonstration wendet sich gegen die Vereinnahmung der Gedenkveranstaltung durch Rechtsextremisten. Offensiver geht das Bündnis "Nazis blockieren" vor, welches sowohl von demokratischen Initiativen und Einzelpersonen wie von Antifagruppen unterstützt wird. Dieses ruft dazu auf, den Aufmarsch zu blockieren.
Mittwoch, 13. Februar
Es gibt eine Kundgebung der Intiative gegen Geschichtsrevisionismus am Eingang des Heidefriedhof ab 10:00 Uhr. Anfahrt über Moritzburger Landstrasse mit der Linie 3 zum Wilden Mann, weiter mit dem Bus.
ca. 150 Teilnehmer, massives Polizeiaufgebot, Vorkontrollen, Kundgebung fast im Kessel, viele Nazis auf dem Friedhof
ab 14.00 Uhr Kundgebung und Infostände auf dem Hasenberg/An der Synagoge
15:00 Uhr Kranzniederlegung der jüdischen Gemeinde auf dem Heidefriedhof
Um 17:00 Uhr beginnt eine Kundgebung (mit Musik und Tee) gegen den Naziaufmarsch auf dem Tzschirnerplatz in der Nähe der Synagoge.
300-400 Teilnehmer, viele Platzverweise, teilweise Festnahmen wegen nicht beachteter Platzverweise, Kesselungen von größeren Gruppen, Reste der Antifakundgebung geschlossen in Richtung Neustadt abgewandert
ab 17.00 Uhr Zeitzeugendiskussion im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Dresden
17:00 Uhr Kundgebung gegen Faschismus und Krieg am Obelisk der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer in der Pillnitzer Straße organisiert vom VVN-BdA Dresden und Revolutionärer Freundschaftsbund e.V.
Die Nazis versammeln sich (laut den Nazis) ab 19:00 Uhr hinter der Semperoper und werden vermutlich nicht vor 20:00 Uhr losgehen. Wenn der Naziaufmarsch beendet ist, muss mit größeren Nazigruppen in der Innenstadt gerechnet werden.
Nazidemo ist beendet, bewegen sich nach Hause, ca. 1000 Teilnehmer, wie immer Nazimobs danach in der Innenstadt, die letzten etwa 100 auswärtigen Nazis, die wegen kaputten Bussen nicht nach Hause konnten, sind heute früh mit dem Zug nach Cottbus abgereist
Info-update (zurück)
Der Handy-Ticker ist jetzt geschaltet und erreichbar unter ticker.hopto.org
Für den 16.02. gibt es eine neue Infonummer 0351-3212353, diese wird am 16.02. ab 9:00 Uhr erreichbar sein.
EA-Nummer: 0351 899 60 456
Den aktuellen Stadtplan für den 16.02. von venceremos kann man sich jetzt runterladen. (Am Anfang dieses Artikels, oder link unten folgen)
Sonnabend (Samstag), 16. Februar
Die Antifademo ist vom Ordnungsamt der Stadt Dresden an den Stadtrand verlegt worden und soll erst um 15:00 Uhr beginnen. Dagegen wurde Klage eingereicht, eine Entscheidung ist bis Dienstag zu erwarten. Weitere Informationen erscheinen hier in den nächsten Tagen. - Die Klage ist erstmal abgewiesen worden. Startpunkt der Antifa-Demonstration wäre damit Bahnhof Neustadt um 15:00 Uhr. Die Route konzentriert sich auf die Neustadt und den Rand des Stadtzentrums. - Achtung, die Demo findet höchstwahrscheinlich nicht statt, die Anmeldung wird aber aufrecht erhalten. Im Ticker wird dann stehen, ob es Sinn macht, sich um 15:00 Uhr zum Bahnhof Neustadt zu begeben.
Am 16.02 beginnt um 10:00 Uhr eine Protest-Kundgebung von verdi am Wienerplatz (Hauptbahnhof) gegen den Naziaufmarsch. Mit fettem soundsystem.
Da die jüdische Gemeinde am 16.02. nicht allein sein möchte, wenn die Nazis an der Synagoge aufmarschieren, wird es am 16.02. ab 10:00 Uhr einen öffentlichen Gottesdienst geben, der besucht werden kann. Bitte entsprechend benehmen (z.B. kein Aufruhr aus dem Gottesdienst heraus starten), und männliche Teilnehmer nur mit Kopfbedeckung.
Erklärung der jüdischen Gemeinde Dresden zum Naziaufmarsch
12.00 - 14.00 Uhr im Haus der jüdischen Gemeinde: Filme für Demokratie und Menschenrechte, sowie Podiumsdiskussion mit Annelie Buntenbach, stellv. Vorsitzende des DGB-Bundesvorstands
Ein weiter Anlaufpunkt am 16.02. ist die zivilgesellschaftliche Gegendemonstration "Geh Denken!" welche um 14:30 Uhr am Goldenen Reiter starten wird.
mehr Informationen unter: Dresden für Demokratie
- wahrscheinliche Route: Goldener Reiter - Köpkestraße - Carolaplatz - Synagoge - Pirnaischer Platz - Wilsdrufferstraße - Augustusbrücke
Das Ordnungsamt will, dass die Nazis ihren Aufmarsch am 16.02. eher beginnen, damit die eher fertig sind, möglichst vormittags. Die Nazis beharren jedoch darauf sich erst ab 13:00 Uhr hinter der Semperoper zu versammeln. Start wird nicht vor 14:00 Uhr sein, eher später. Nach dem Ende der Nazidemo sollte die Innenstadt gemieden werden, in den vergangen Jahren waren immer größere Gruppen (bis zu einige hundert Nazis pro Gruppe) nach dem Naziaufmarsch in der Innenstadt unterwegs. Empfehlenswert ist es, sich dann in Richtung Neustadt zu bewegen.
- bisher wahrscheinliche Naziroute (auf den Ticker achten): Petersburgerstraße - Dr.-Külz-Ring - Wallstraße - Posplatz - Zwingerteich (möglich ist auch entgegengesetzte Reihenfolge)
br>Wetter:Es wird trocken und kalt werden. Temparaturen von 0° bis -6° in den Abendstunden. Es werden sich also nicht nur die Nazis sich warm anziehen müssen.
Stadtplan zum runterladen auf venceremos mit Infos und Telefonnummern für den 16.02. im pdf-Format.
Bild oben: Antifademo in Dresden 13.02.2007 - Quelle: Akubiz
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)
Stadtplan 16.02.2008 (540K)