Gedenkfeier von VVN/BdA, DGB und liberal-jüdische Gemeinde Wolfsburg am 13.04.2008
Gedenkfeier von VVN/BdA, DGB und liberal-jüdische Gemeinde Wolfsburg:
Würdige Gedenkfeier auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Belsen-Hörsten
Aus Anlass der Befreiung des KZ Bergen-Belsen und der sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem Stalag XI C (Kriegsgefangenenstammlager) lud die VVN/BdA Nds zu einer stark beachteten Gedenkfeier auf dem Sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof ein.
Es war gelungen Kontakt zu einem der wenigen noch Überlebenden in Moskau zu knüpfen. So sprach als wichtigster Gast der fast 86jährige Mark Tilewitsch zu den Anwesenden. Eigentlich hatte er vermittelt, er rede nicht gerne, weil die Anwesenden nicht richtig zuhören. Aber dann quoll es aus ihm heraus – die kleine Orientierungshilfe in Form eines winzigen Zettels vernachlässigte er immer wieder.
Mit 18 Jahren war er in die Rote Armee einberufen worden, schon mit 19 Jahren wurde er in Litauen verwundet und gefangen genommen, von dort in das Stalag nach Wietzendorf verschleppt. Darauf folgten Fluchtversuch und Wiedergefangennahme, insgesamt 3x floh er aus Arbeitslager Meinkingsburg (bei Nienburg), Stammlager und Arbeitskommando, wurde immer wieder gefasst, bis er zum Schluss ins KZ Sachsenhausen verschleppt wurde. Heute ist er Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees und des russischen Verbandes ehemaliger KZ-Häftlinge.
Über 20 000 sowjetische Kriegsgefangene wurden in Hörsten bei menschenunwürdigen Bedingungen ermordet. Ab 1940 bestand das Stalag in Hörsten, in dessen Nähe ab 1943 das KZ Bergen-Belsen errichtet wurde. Die erste Maßnahme der Wehrmacht bestand darin, um die Kriegsgefangenen Stacheldraht zu ziehen, Wachtürme aufzustellen und – wie Mark Tilewitsch berichtete - geringe Mengen von Steckrüben als einzige Nahrung zu geben. Zum Schutz vor der Eiseskälte konnten sie sich – mit bloßen Händen und Löffeln - nur in Erdhöhlen eingraben. Sie wurden so ermordet und starben elend an Hunger, Kälte und Seuchen.
In seiner langen bewegenden Rede sprach er vor allem von dem unbändigen Hunger, der keinen anderen Gedanken aufkommen lassen wollte, von der beißenden Kälte, gegen die sich die Gefangenen auch durch die gegenseitige Körperwärme etwas schützten – und: von der Kraft der Solidarität. Kraftvoll stieß Mark Tilewitsch bei diesem Bericht die Faust in den Himmel und sagte: „Solidarität hieß auch länger zu überleben, wenn jemand zu einem ziellos Herumtaumelnden sagte: Komm in unser Loch!“
Viel ließe sich zu seinen Ausführungen sagen, der geringe Platz ermöglicht noch die Erwähnung, dass auf unserer Veranstaltung als Redner außer Mark Tilewitsch folgende Personen auftraten und viel Beachtung fanden:
- Rolf Keller, Mitarbeiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema „Sowjetische Kriegsgefangenenlager in Niedersachsen“
-
- Paul Stern, ver.di-Vorstand Celle
-
- Dimitri Tukuser, Lib.-Jüd. Gemeinde Wolfsburg - Region Braunschweig
-
- Mechtild Hartung, Sprecherin VVN/BdA Niedersachsen
-
- Unangekündigt sprach auf besonderen Wunsch auch Peter Fischer, Mitglied des Zentralrates der Juden Deutschlands.
- als Vorsitzende der AG Bergen-Belsen eV berichtete Elke von Meding über die Schul-Aktion „Namensziegel“, mit der die Ermordeten vor der Vergessenheit bewahrt werden sollen.
Die Bläsergruppe der Kirchenkreiskantorei Wolfsburg gestaltete die Feier würdevoll mit ihren Musikbeiträgen und begleitete das gemeinsam gesungene „Lied der Moorsoldaten“.
Unter den 150 Anwesenden waren unter anderem der neue Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Dr. Habbo Knoch sowie sein Vorgänger, Dr. Wilfried Wiedemann.
Werbung
Diesen Post teilen
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
/image%2F1377997%2F20150108%2Fob_508aca_kban.jpg)