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Gedenkfeier 13.4.08 auf dem Friedhof der sowjetischen Kriegsgefangenen in Belsen-Hörsten

30. April 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Bergen Belsen

Gedenkfeier 13.4.08 auf dem Friedhof der sowjetischen Kriegsgefangenen in Belsen-Hörsten

Redebeitrag von Paul Stern ( Vorstand ver.di-Ortsverein Celle)

Chers camerades, dear comrades,
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen !

An diesem Ort der Erinnerung müssen wir leider feststellen:
Rassismus ist in Deutschland wieder an der Tagesordnung.

Auf welchem Boden Nazis und Rassisten sich heute bewegen können und wer sie dabei stützt zeigen Beispiele aus jüngster Zeit ganz in der Nähe von Bergen-Belsen.
In Eschede hat sich beim Nazi-Bauer Nahtz eine rege eventkultur entwickelt.
Die „Heimattreue Deutsche Jugend“, eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Wiking-Jugend, NPD und sogenannte Freie Kameradschaften treffen sich zu Sommersonnenwende- und Wintersonnenwendefeiern sowie zu Pfingstlagern.
Die örtliche Zivilgesellschaft schweigt weitgehend dazu.
In Celle fordern Neonazis fordern schon seit Jahren die Schließung des Bunten Hauses. Der Polizeichef in Zusammenarbeit mit OB und CZ verleumden öffentlich das Bunte Haus, fordern andere Trägerschaft fürs BH . Ohne große Solidarität wird demnächst kein neuer 10-Jahresvertrag abgeschlossen.
Aber es gibt Solidarität verschiedener Kräfte in Celle, auch die meiner Gewerkschaft.
Nützlich und solidarisch war u.a. der Besuch des Internat. Jugendworkcamps Bergen-Belsen der christlichen und gewerkschaftlichen Jugendverbände mit 72 Jugendlichen aus 10 Ländern, aus Israel Südafrika Niederlande Deutschland und 6 osteuropäischen Ländern.
Sie waren nicht nur vom alternativen Flair, sondern auch von der Untertstützung von Flüchtlingen und der vielfältigen sozial-solidarischen Arbeit des Bunten Hauses angetan. Dass sozialer gleichberechtigter Umgang und selbstorganisiertes gemeinsames Leben vor Rassismus im eigenen Kopf schützt, konnte Pumeza Mandela, die Nichte von Nelson Mandela, den Akteuren des Bunten Haus aus eigener Erfahrung, bestätigen.
Dagegen kann eine braune Jugendgang bei Hermannsburg völlig unbehelligt einen „Bunker 88“ betreiben. 88 steht als Nazicode für Heil Hitler.
Unsere Antwort darauf kann nur heißen:
Lieber Bunte Häuser als braune Bunker !

Das internat. Jugendworkcamp beschäftigte sich 11 Tage lang nicht nur mit der Geschichte von Bergen-Belsen, sondern auch mit dem Problem des Neonazismus. Sie wollten ein öffentliches Zeichen gegen Rassismus setzen und zeigen wie junge Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde in wenigen Tagen zu einer Gemeinschaft wurden.
Sie fuhren am Karfreitag alle nach Dorfmark, um gemeinsam mit dem Soltau-Fallingbostel-Bündnis gegen den rassistischen "Bund für Gotterkenntnis / Ludendorffer eV" zu protestieren. Sie hatten sich mit der rassistisch-religiösen Ideologie und ihren engen Verbindungen zu bekannten Naziorganisationen auseinandergesetzt.
In Dorfmark jedoch trafen sie nicht nur auf Freunde, sondern mußten sich von etlichen ((nicht allen - nicht pauschalieren bitte)) Dorfmarkern auf niedrigste Weise anpöbeln lassen. "Kanaken raus", "Ölaugen", "Affen in den Urwald", "unter Hitler haben die Neger nicht auf der Straße getanzt" und andere haßvolle Beleidigungen prasselten auf sie nieder.
Die Polizei griff nicht dagegen ein. Die internat. Gruppe tanzte ihren Protest auf der Straße und rief immer wieder "we against racism" (wir sind gegen Rassismus).

Seit 30 Jahren füllen die Ludendorffer immer über Ostern in Dorfmark die Hotels und Pensionen. Eine sichere Einnahmequelle. Häufige Proteste und Ratsanträge gegen solche Förderung der Ludendorffer fanden bis 2006 weder im zuständigen Bad Fallingbosteler Rathaus noch in der Lokalpresse Gehör. Offensichtlich sprechen zuviel wirtschaftliche Interessen dagegen.

Erstmals wurde 2007 öffentlich wahrgenommen, was denn so Übles an den ach so freundlichen Ludendorffern dran ist. Sie erziehen Kinder und Jugendliche zu einem sog. Glauben, nach dem die sog. "jüdische Schachtrasse" mittels ihrer Tarnorganisationen wie Kirchen, Kommunisten, Freimaurer die Weltherrschaft anstreben. Dagegen müsse sich einen sog. Lichtrasse mit dem "Recht des Stärkeren" zur Wehr setzen. Überhaupt dichtet der sog. Ludendorffer-Glaube den sog. Schachtrassen "Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit" an, während sog. Lichtrassen zum Herrschen und Heldentum neigen. Logische Folgerung, dass sog. "Rassenmischung" zum Volkstod" führe.
Passend dazu - und kaum vom Bürgerlichen Pöbel zu unterscheiden, kommentieren Nazis den Protest der Internat. Jugendgruppe in der Nazi-homepage Altermadia wie folgt:
"Scheint doch lediglich der Aufenthalt im KZ Bergen-Belsen, vollkommen unproblematisch und schön gewesen zu sein. - Da waren diese Anti-Faschisten ja schon an Ort und Stelle. Wer hat das Tor aufgelassen?"
Mitglieder der "Heimattreue(n) Deutsche(n) Jugend" gehen durch die Erziehung und Bildung  der Ludendorffer. Viele Jahre konnten die Ludendorffer gar die Dorfmarker Grundschule nutzen. Währenddessen findet das Bündnis aus Parteien-Gewerkschaften-Initiativen für Veranstaltungen zur Aufklärung über diese Rassisten heute in ganz Dorfmark weder bei Kirche noch in Kneipen einen Raum.
Jetzt, wo wegen der rassistischen Bürgerpöbelei gegen u.a. prominente internat. Gäste (Pumeza mandela / workcamp B-B) Dorfmark in den großen Medien schlecht da steht, machen sich auch konservative Politiker Sorgen um ihren guten Ruf. Jahrzehnte haben sie dafür gebraucht. Eine Resolution wurde am 7.4.08 beschlossen, in dem klar Stellung gegen Ludendorffer genommen wird. Aber sie können es nicht lassen, noch in dieser Resolution - ohne den geringsten Anlaß - einen pauschalen Schlag gegen sog. Linksextremismus niederzuschreiben. Das ist mehr als Ablenkung von der eigenen Verantwortung. Das ist Gleichsetzung .

Wer AntifaschistInnen mit Nazis in einen Topf wirft oder gar verfolgt, betreibt - ob gewollt oder ungewollt - das Geschäft eben dieser Nazis.

Damit muss Schluss sein !
Lasst uns aus der Geschichte lernen !
Vielen Dank.
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