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Lehrreicher Blick auf braune Vergangenheit

2. September 2008 , Geschrieben von Parents Veröffentlicht in #Kampf gegen Nazis - Norddeutschland

30. August 2008 | Von Birger Bahlo

Spannend und lehrreich: Rückblick in braune Vergangenheit. Eine Ausstellung im Dithmarscher Landesmuseum hält regionale Geschichte wach.

Eine Frau mit einer Hakenkreuzfahne unter dem Arm betritt das Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf, drückt das Tuch Dr. Wolf-Dieter Könenkamp in die Hand. Es sei gut aufgehoben in einem Museum, das Geschichte dokumentiert, sagt sie. Ihr ist die Situation nicht sonderlich behaglich. Sie schämt sich. Dafür, dass sie dem Wunsch ihres Sohnes nachgegeben hat, ihm so eine Hakenkreuzfahne genäht zu haben, wie sie einst in der NS-Zeit genutzt wurde.

Die Episode zeigt, wie sehr eine Ausstellung im Meldorfer Museum die Menschen aufwühlt. Dort wird der Aufstieg und Niedergang der NSDAP und ihrer Wortführer in der Region dargestellt.

Studenten der Kieler Universität, die das pädagogische Konzept mit entwickelten, pochten darauf, auch Auftritte von Neonazis in der Gegenwart einzubeziehen. So dokumentiert die Titelseite einer Dithmarscher Tageszeitung die Razzia der Polizei in Neufeld, als dort in einer Gaststätte Glatzen zu Musik mit rechtsextremen Texten feierten. Kaum zu glauben: Eine alte Postkarte aus dem Bestand des Landesmuseums zeigt daneben die selbe Gaststätte mit dem selben Namen - mit einer Hakenkreuzfahne am Eingang. Wie furchtbar sich Geschichte wiederholen kann.

Vor 75 Jahren ergriff Hitler die Macht - der eigentliche Grund für diese Sonderschau. Könenkamp erinnert daran, dass die Nationalsozialisten Gau und Kreis wegen der hohen Zustimmung zum Regime immer besonders hervorhoben. Das gipfelte unter anderem in der Ansiedlung von Anhängern im neu geschaffenen Adolf-Hitler-Koog (heute Dieksanderkoog), der mit großem Pomp und persönlich vom Führer eingeweiht wurde. Einbezogen wird jeder Gast durch Filme, die damals gedreht wurden. Das Landesarchiv in Schleswig stellte sie zur Verfügung.

Thema für Thema ist die Ausstellung penibel gegliedert worden. Wie Juden verfolgt, Zwangsarbeiter rekrutiert und Flüchtlinge drangsaliert wurden, ist jeweils einzeln dokumentiert. Der Bogen wird geschlagen von ersten Appellen an die Volksgemeinschaft bis zur Praxis der Entnazifizierung nach dem Krieg.

Direkt nebeneinander werden Opfer und Täter gestellt, was besonders unter die Haut geht. Die Konfrontation der Verfolgten mit ihren Verfolgern wird so direkt sichtbar, natürlich nur so weit, wie es wissenschaftliche Erkenntnisse und Persönlichkeitsschutz zulassen. Oder die Sprache der Propaganda entlarvt die Ziele. Eine Litfaßsäule zeigt Plakate, die überall in Dithmarschen hingen, sowie Anzeigen, die in den Zeitungen erschienen. Sie dokumentieren, wie öffentlich und präsent der Verfolgungsdruck war: "Wir kaufen keine Zigarren bei Juden", heißt es in einer der eher harmloseren Publikationen.

Stundenlange Debatten anlässlich begleitender Vorträge im Kinosaal des Landesmuseums zeigen, wie viele Fragen noch ungeklärt sind. Wie konnte es zu dem in Dithmarschen besonders hohen Anstieg der Wählerstimmen kommen?, bewegte die Gemüter besonders.

Auch die nächsten Vorträge versprechen, wieder spannend zu werden. So spricht am 31. Oktober Prof. Manfred Jessen-Klingenberg über die Situation von Flüchtlingen und Vertriebenen in Dithmarschen.

Am 14. November stellt Dr. Sebastian Lehmann (Schleswig-Flensburg) "Führer" in der Provinz vor - unter anderem an den Beispielen Martin Matthiessen (Kreisleiter der NSDAP, später Kreis- und Reichstagsabgeordneter) und Hans Beeck (Kreisbauernführer). Beginn jeweils um 20.15 Uhr im Kinosaal des Museums.

Quelle: Wistersche Zeitung
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