„Schlägertrupps ächten“
Von Holger Klein und Ralf Rohrmoser-von Glasow, 29.08.08, 10:21h, aktualisiert 02.09.08, 09:58h
Der brutale Überfall in Altwindeck von Neonazis auf einen 17-Jährigen mobilisiert Politiker und Bürger. Uniformierte Polizei und Ordnungsamt wollen stärkere Präsenz zeigen.
Es werde immer so getan, als sei der Rechtsextremismus ein ostdeutsches Problem, „dabei gibt es auch hier Vorfälle mit rechtsradikalem Hintergrund“, schreibt der stellvertretende Parteivorsitzende Michael Otter. Er fordert den Windecker Gemeinderat und den Kreistag auf, mit örtlichen Initiativen Maßnahmen für die Betroffenen zu ergreifen: „Die Opfer dürfen nicht den Eindruck erhalten, dass sie von der Politik allein gelassen werden.“
Bei dem Übergriff am Samstagabend hatten die sechs Tatverdächtigen den Jugendlichen niedergeschlagen und dem am Boden liegenden mit ihren Springerstiefeln ins Gesicht getreten. Dabei erlitt das Opfer einen Jochbeinbruch, der gestern operiert wurde. Dieser Eingriff verlief erfolgreich - dem Patienten geht es den Umständen entsprechend gut.
Die Eitorfer Polizei machte die Schläger noch in der Nacht ausfindig. Sie werden wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung am Montag vernommen. Die Tatverdächtigen aus dem Raum Dattenfeld, Altwindeck und Schladern sind für die Beamten keine Unbekannten, schon mehrmals sind sie der Polizei wegen Ruhestörungen, Rufens rechter Parolen und Schlägereien aufgefallen.
Hinweise erwünscht
Der Vorfall sorgt in Windeck für Bestürzung. An den Schulen wird über die Gewalttat diskutiert; engagierte Bürger planen, ein Aktionsbündnis gegen den Rechtsextremismus zu gründen. Auch Bürgermeister Jürgen Funke hat sich bei der Polizei informiert. „Wir nehmen nichts auf die leichte Schulter“, verspricht er. Doch seien diese Gruppierungen nicht immer direkt zu erkennen. Doch wenn konkrete Hinweise kommen, werde „flexibel, aber sensibel reagiert“. Mit der Kreis- und der Bundespolizei gebe es enge Abstimmungen. Seit kurzem ist die Präsenz der Uniformierten durch einen weiteren Bezirksbeamten erhöht worden, der eine halbe Stelle hat. Auch das Ordnungsamt ist im Außendienst um eine halbe Stelle aufgestockt worden.
Funke sichert zu, dass die Mitarbeiter auf Aufkleber und Plakate mit rechtswidrigem Inhalt achten und sie gegebenenfalls entfernen werden. Zudem wünscht er sich mehr Zivilcourage: „Wir müssen es hinkriegen, dass solche Schlägertruppen gesellschaftlich geächtet werden. Wir müssen dazwischengehen, wenn es zu Prügeleien kommt.“
Quelle: KSTA
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