Hotel setzt Rechtsextreme vor die Tür
BERLIN. Ein für dieses Wochenende in der Dresdner Innenstadt geplanter Kongress von Historikern und Publizisten, die der rechtsextremen Szene zugerechnet werden, findet nun wohl doch nicht statt. Am Donnerstagnachmittag stornierte das Hotel "art'otel" die schon seit einiger Zeit vorliegende Bestellung von 59 Betten und einem Konferenzraum für die Kongressteilnehmer. Hoteldirektor Dirk Gruhn begründete die kurzfristige Absage damit, das die Veranstaltung "die Sicherheit und das Ansehen unseres Hauses gefährdet".
Der geplante Kongress zum "Kriegsende 1918 und seinen Folgen" war vom D & V Verlag organisiert worden. Das Unternehmen gehört zur bayerischen Verlagsgesellschaft Berg des unter anderem wegen Volksverhetzung vorbestraften Publizisten und Verleger Gert Sudholt. Sudholt hat wiederholt rechtsextremistische und geschichtsrevisionistische Bücher veröffentlicht. Außerdem gehört er der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften "Gesellschaft für freie Publizistik" an.
Bundeswehrgeneräle zu Gast
Zu dem Kongress wollten Teilnehmer aus Deutschland, Russland, Schweden, Österreich und Frankreich anreisen. Als Referenten waren auch zwei ehemalige hochrangige Bundeswehroffiziere vorgesehen: der frühere stellvertretende Kommandeur der Kosovo-Force in Pristina, General Christian Millotat, und der einstige Bundeswehrbefehlshaber für Niedersachsen und Bremen, General Gerd Schultze-Rhonhof.
Mit wütenden Protesten reagierten die rechtsextremen Organisatoren des Kongresses auf die Absage durch die Hotelleitung. Verleger Sudholt kündigte Schadenersatzforderungen im "niedrigen fünfstelligen Bereich" an. Der NPD-Fraktionschef im Sächsischen Landtag, Holger Apfel, sprach von einer "zunehmenden Pogromstimmung gegen Patrioten, Konservative und Nationale in Deutschland".
Hotelchef Gruhn reagierte gelassen auf die Androhung einer Schadenersatzklage. Die Geschäftsbedingungen seines Hauses erlaubten eine Absage des Kongresses, sagte er der Sächsischen Zeitung. Dem Hotel selbst entstehe ein Ausfall von 20 000 Euro. Das aber sei zweitrangig, sagte Gruhn.
Bereits vor einigen Wochen hatte das Steigenberger Parkhotel in Radebeul eine Buchung von Rechtsextremen storniert. Anfang August wurde der rechtsnationalen "Kontinent Europa Stiftung" versagt, mit den Teilnehmern einer Tagung zum Thema "Deutschland und Russland" Räume und ein Restaurant im Schweriner Schloss, dem Sitz des Landtages, zu nutzen. Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft der NPD.
Quelle: Berliner Zeitung
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